Nachsicht

„Hab Nachsicht. Es ist für sie nicht leicht. Sie wurde über Jahre verhätschelt und jetzt plötzlich fallen gelassen. Es ist nicht einfach für sie.“
„Jetzt reiß Du Dich zusammen. Es ist momentan schwer für sie.“
„Sie hat gerade niemanden. Das musst Du verstehen.“
„Versuch doch wenigstens, mit ihr klar zu kommen.“
Wird mir seit über einem Jahr gesagt. Von engster Familie.
Natürlich versuchte ich es. Gab mir größte Mühe. Aber machte mich dadurch fertig. Völlig.
Als ich vor einem Jahr auszog, war ich ein Wrack. Ein völliges. Mit dem Wunsch tiefen Wunsch, mich nicht nur selbst zu verletzen, sondern mit dem Wunsch, zu springen, sobald ich aus einem hoch gelegenen Fenster oder einer Brücke stand. Das Bild, von einem Auto getroffen zu werden, als sehr angenehm empfand. Und jedes Mal den Wunsch hatte, „die Straße runter“ zu gehen, sobald ich nur ein scharfes Messer sah. Vermissen? Würden mich sowieso die wenigsten. Am Ende hätte ich keinen Stress mehr. Sollte es Jemanden geben, der mich vermisst, wäre es mir dann sowieso egal gewesen.
Ein halbes Jahr lang machte ich nur den Sam. Schluckte jegliche Kommentare. Es war ja eine so harte Zeit für sie.
Knapp 2 Monate fuhr ich jeden Tag 2h quer durch die Stadt, war den Tag über in der Uni und schmiss – so gut es nach der OP ging – den Haushalt. Zwei Leute saßen zu der Zeit zuhause. Alles, was ich bekam, waren Ärger und dumme Sprüche, wenn mal etwas nicht passte, nicht so war, wie es erwartet war.
Dann war ich an eben jenem Punkt.
Ich wusste, dass ich zwei Möglichkeiten hatte. Den Wunsch umzusetzen oder in die halbfertige Wohnung zu ziehen.
Ein halbes Jahr lang herrschte Funkstille. Zwischen uns beiden. Auch, wenn ich mal bei Papa war. Es wurde sich einfach aus dem Weg gegangen und gut ist.
Dann doch mal was gesagt. Mein Argument, um ruhig zu bleiben war, dass ich ja sowieso bald weg bin. Dass ich nicht drüben bleiben muss. Meine Höhle wartet am andern Ende der Stadt.
Doch das Argument wurde schwächer. So kam es nun wieder zu Streits.
Die oben genannten Argumente von Verwandten ziehen bei mir gar nicht.
Ist es denn in irgendeinem Punkt besser, dass ich es gewohnt bin, von der Frau, die mich in diese Welt warf, ignoriert zu werden, schlechter behandelt zu werden? Dass sie mir das Gefühl gab und gibt, wenig bis nichts wert zu sein?
Natürlich. Ich bin selbstständiger. Erwachsener. Weil ich musste.
Es wird nun mal in jedem Leben Zurückweisungen geben. Auch von Menschen, die einem wichtig sind. Ich weiß nicht, wieso man das im zarten Alter von 24 nicht lernen sollte. Wieso man nicht lernen soll, dass man auch mal etwas allein schaffen muss. wenn es hart auf hart kommt, muss man sowieso allein überleben.
Wenn es so weiter geht und mir weiter gesagt wird, ich solle blindlings Rücksicht nehmen, bestenfalls mich selbst dabei vernachlässigen, werde ich wohl mein Umfeld wieder ausdünnen, erstmal Kontakte abbrechen müssen. So Leid es mir tut.
Ich bin momentan wieder an einem Punkt, an dem ich selbst etwas sehr auf mich achten muss.

~ von sunny93 - September 2, 2014.

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